Wie Einbrecher wirklich vorgehen: Michael Bübl über Einbruchschutz und falsche Sicherheit
Schlossermeister und Fachbuchautor Michael Bübl spricht über reale Einbruchsmethoden, falsche Sicherheit und die Frage, was wirklich vor Einbrüchen schützt.
Was mich an diesem Thema seit Jahren beschäftigt
Mein Name ist Lars Buchwald und bei Multipick beschäftige ich mich mit Marketing und Unternehmenskommunikation. Öffnungstechnik bedeutet für mich dabei mehr als gutes Werkzeug und saubere Technik. Sobald Wissen darüber öffentlich wird, stellt sich auch die Frage, wie wir damit umgehen und wo Verantwortung beginnt. Gerade beim Einbruchschutz gehen die Meinungen schnell auseinander, und die Diskussion wird nicht immer so nüchtern geführt, wie es dem Thema eigentlich guttun würde.
Mein Gesprächspartner kennt diese Diskussion seit vielen Jahren. Michael Bübl ist gebürtiger Wiener, hat drei Handwerksmeisterprüfungen abgelegt und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Aufsperrtechnik und Sicherheitsfragen. Er arbeitet als Fachbuchautor und betreibt den Blog „Die Schlosserzeitung“. Mit seinem bekannten Werk „Geheimwissen Schlüsseldienst“ stieß er bereits früh eine Debatte an: Schützt detailliertes Öffnungswissen die Bevölkerung, oder entstehen dadurch zusätzliche Risiken?
In seinem neuen Buch „Handbuch der Einbrecher: Alles über Einbruch und Home Invasion“ nimmt er erneut eine unbequeme Perspektive ein. Statt die Methoden der Täter zu verschweigen, will er sie sichtbar und verständlich machen. Dahinter steht ein nachvollziehbarer Gedanke: Wer versteht, wie Einbrecher denken und vorgehen, kann Schwachstellen realistischer einschätzen und sich besser schützen.
Herr Bübl, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Anfangszeit bei Multipick. Damals, vor fast 20 Jahren, fiel mir Ihr Buch „Geheimwissen Schlüsseldienst“ in die Hände. Seitdem hat sich mein Blick auf Sicherheit verändert. Die Vorstellung, dass ein Schloss oder eine Tür absolute Sicherheit bieten kann, sehe ich heute doch sehr realistisch.
Mit dem „Handbuch der Einbrecher“ haben Sie nun ein neues Buch veröffentlicht, wieder mit einem Titel, der aufhorchen lässt. Darüber möchte ich heute mit Ihnen sprechen. Mich interessiert aber ebenso, wie sich Ihr Blick auf Einbruchschutz im Laufe der Jahre verändert hat, besonders im Hinblick auf das Verhalten der Täter und das Sicherheitsgefühl der Menschen.
Herr Bübl, was war der konkrete Anlass für Ihr neues Buch? Gab es einen Fall oder eine Beobachtung, bei der Sie gedacht haben: Darüber wird in der üblichen Einbruchschutzberatung nicht offen genug gesprochen?
Einen konkreten Anlass gab es nicht. Vielmehr hat sich dieses Antwortbuch über die Jahre entwickelt und ist auch dringend nötig, denn die am meist gestellte Frage lautet: Wie kommen die Einbrecher ins Haus bzw. wie gehen Einbrecher vor? Diese Frage wird in der Regel gar nicht oder ausweichend behandelt. Man hat Angst vor Nachahmer und versucht besonders effektive Methoden zu vertuschen. Zukünftige Opfer dieser Methoden werden in Kauf genommen, obwohl man dies mit Aufklärung verhindern hätte können.
Der Titel „Handbuch der Einbrecher“ klingt fast wie eine Einladung an die falsche Zielgruppe. War diese Provokation bewusst gewählt, und was soll der Titel bei einem Leser auslösen, der sich eigentlich schützen möchte?
Es soll keine Anleitung für Täter sein, es soll den Leser aufklären und schwer zugängliches Wissen vermitteln. Informationen und Bücher über Einbruchschutz gibt es genug, die kein Mensch liest, weil sie das Thema von der falschen Seite angehen. Im Prinzip geht es allen Büchern und Beratungen nur um Aufrüstung und Verkauf. Mein Buch ist anders. Ich will nichts verkaufen, ich will aufklären über falsche Sicherheit. Da hilft ein plakativer Titel.
Sie sprechen in Ihrem Buch von Täterwissen. Woher stammt dieses Wissen, und wie prüfen Sie, ob eine Methode in der Realität tatsächlich relevant ist und nicht nur eine spektakuläre Ausnahme?
Täterwissen stammt von Tätern! Meine Arbeit und den damit verbundenen Kontakt und Gesprächen mit Polizei und anderen Institutionen lässt sich mit einem Studium vergleichen. Als spezialisierter Schlossermeister ist man häufig der Erste am Tatort und wird fast täglich mit den Modi Operandi der Einbrecher konfrontiert. Auf diese Weise habe ich viele Vorgangsweisen kennen gelernt, hauptsächlich erfolgreiche. Ein Täter kennt meistens nur eine oder zwei Techniken, ein Schlossermeister, der zu vielen Einbrüchen gerufen wird, jedoch 100.
Ihr Grundgedanke lautet, dass Aufklärung besser schützt als Geheimhaltung. Wo ziehen Sie dennoch eine Grenze? Gibt es technische Details, bei denen der mögliche Schaden größer wäre als der Nutzen einer Veröffentlichung?
Ich ziehe keine Grenze und bin ein Feind jeglicher Zensur. Wissen sollte jedem zugänglich sein, selbst, wenn es sich um sensibles Wissen handelt, wie Einbruchstechniken. Irgendwer besitzt bereits dieses Wissen und meistens sind es Kriminelle. Wenn ein Schloss eine Schwachstelle hat, dann sollte es als erster der Hausbesitzer sein, der davon informiert wird. Leider ist es in der Schlosserbranche anders als im IT-Sektor. Dort zahlen Firmen Prämien an Hacker, welche Schwachstellen oder Hintertüren entdecken. Wäre dies in meiner Branche so, dann wäre ich noch reicher :-)
Als Betreiber des Blogs „Die Schlosserzeitung“ beobachten Sie die Sicherheitsbranche seit vielen Jahren auch publizistisch. Welche unbequeme Wahrheit über Einbruchschutz kommt in der öffentlichen Diskussion Ihrer Meinung nach zu kurz?
Den Opfern wird verschwiegen, dass die Ursache nicht nur an mangelndem Einbruchschutz liegt, sondern auch an sozialer Ungerechtheit liegt. Wir haben heute einen extremen Schutzstatus erreicht, trotzdem werden Einbrüche nicht weniger. Wir werden dieses Delikt nicht ausmerzen können, solange es Unrecht und Armut in diesem Ausmaß gibt. Eine enorme Anzahl der Einbrüche werden verübt, weil die Täter in Not sind, manche in echter Not (Sie benötigen einige Euro für Essen oder Miete). Es bleibt ihnen keinerlei andere Möglichkeit mehr als zu stehlen oder einbrechen zu gehen, um nicht total vor die Hunde zu gehen. Der Schaden und Kosten, den diese Täter anrichten sind um ein Vielfaches höher als die Kosten einer geringen Geldleistung seitens des Staats.
Was ist der hartnäckigste Irrtum, den Haus- und Wohnungsbesitzer über Einbrecher haben?
Der hartnäckigste Irrtum ist der Glauben, dass es nur „einen“ Einbrecher-Typ gibt und das Unwissen über dieses Delikt. Dabei ist Einbruch eines der vielfältigsten Verbrechen überhaupt. Es gibt vom jugendlichen Abenteuer-Einbrecher bis hin zum professionellen „Ein-Coup-Täter“ hundert verschiedene Motive. Die meisten Opfer sind jedoch so sehr in ihrer Kaste gefangen und durch ihre Gesellschaftsschicht im Denken geprägt oder behindert, dass sie sich gar keine Vorstellung machen wollen und auch können, warum jemand einbricht. Der eine Einbrecher begeht die Tat wegen ein paar Euro, um sich Essen zu kaufen. Der andere will das Leben seines Opfers zerstören, indem er illegale Drogen oder verbotene Bilder platziert. An zweiter Stelle steht, dass „Wenn einer hereinwill, dann kommt er auch rein“ – das mag grundsätzlich stimmen, aber man kann den Einbrechern dieses Vorhaben nahezu bis zur Unmöglichkeit schwer machen.
Viele Menschen denken beim Überwinden eines Schlosses sofort an feines Lockpicking und besonders ausgeklügelte Werkzeuge. Wie oft spielt das bei realen Einbrüchen überhaupt eine Rolle, und warum richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit so stark auf diese Methode?
Lockpicking, Elektropicker und so weiter scheinen in der Einbruchstatistik so gut wie nie auf. Kein Einbrecher hat Sonden bei sich und sperrt das Schloss nach. Die Leute sehen das im Fernsehen und glauben ernsthaft, dass diese Methode in der Praxis anwendbar ist. Selbst Schlagschlüssel ist nur eine Randerscheinung, denn man muss schon gut informiert und ausgerüstet sein für diese Methode. Für Einbrecher ungeeignet. Ich hab keine Ahnung warum die Leute das glauben. Wahrscheinlich glauben sie auch, dass sie fliegen können, wenn sie Supermann gesehen haben.
Manche Kunden pöbelten mich regelrecht an, warum ich so viel schlechter bin als der Kommissar in Tatort. (Und ich bin nicht der schlechteste im Aufsperren).
Bei einer Flyer-Aktion im Wiener Umland haben Sie sich rund 7.000 Türen und Wohnsituationen angesehen. Ihr Fazit war, dass Einbruchschutz längst nicht nur ein technisches, sondern zunehmend auch ein soziales Problem ist. Welche Beobachtung hat Sie dabei am stärksten irritiert?
Niemand hat es gestört, dass ich mich inmitten der Einfamilien- und Reihenhaussiedlungen auffällig bewegte und von Tür zu Tür gegangen bin. Offensichtlich interessiert es niemanden, wenn sich Fremde in den Siedlungen aufhalten, nicht einmal in kleinen Anlagen, wo wirklich jeder jeden kennt. Das ist schon erschütternd, dass es derart wenig Interesse an gänzlich unbekannten Personen gibt. Gleichgültigkeit und Einsamkeit prägen unsere Zeit. Von einer Frau wurde ich sogar auf einen Kaffee eingeladen, sie muss extrem einsam sein.
Niemand will Blockwarte, aber eine gewisse Grundaufmerksamkeit muss sein. Diese völlige Gleichgültigkeit gegenüber der Nachbarschaft und im Endeffekt auch gegen sich selbst nutzen Kriminelle. Das meine ich mit sozialem Problem.
Sie beschreiben schwindende Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft als Sicherheitsrisiko. Ist eine funktionierende Nachbarschaft tatsächlich etwas, das Alarmanlagen und Kameras nicht ersetzen können, oder romantisieren wir dabei ein wenig die Vergangenheit?
Nein, ich romantisiere sicherlich nicht. Einem Einbrecher, welcher mit Sturmmaske gefilmt wird, ist dies sicherlich egal. Wird derselbe jedoch von einem Nachbarn gesehen, dann ist ihm das nicht egal. Das Gift in unserer Gesellschaft ist die Ignoranz, und das ist der Motor zum kriminellen Handeln, insbesondere der Einbruchskriminalität. Vor Kameras und Alarmanlagen hat kein Verbrecher Angst.
Wann wird Sicherheitstechnik zu einer gefährlichen Form der Selbstberuhigung? Woran kann ein Laie erkennen, ob ein Produkt seinen Schutz tatsächlich verbessert oder vor allem ein gutes Gefühl vermittelt?
Hundert Prozent weiß man nie, ob ein Produkt tatsächlich zur Sicherheit beiträgt. Am ehesten kann ein unbedarfter Konsument seinen Hausverstand benutzen. Als Beispiel wäre hier genannt, ob eine Kamera tatsächlich einen Einbruch verhindern kann und wie man sie überwindet.
Wenn der Konsument auf diese Frage, wie man eine Kamera überlisten kann antwortet: „Ich setze mir große Sonnenbrillen auf und ziehe die Mütze tief ins Gesicht!“, dann hat er sich die Frage selbst beantwortet.
Der Untertitel Ihres Buches nennt ausdrücklich die Home Invasion. Was verstehen Sie unter diesem Begriff, und worin unterscheidet sich eine Home Invasion für Sie von einem klassischen Wohnungseinbruch?
Es ist ganz einfach: Im Gegensatz zu einem „normalen“ Einbrecher, welcher eine Konfrontation mit den Bewohnern meidet, bricht ein Home Invasions Täter ein, weil jemand zu Hause ist. Unter Androhung oder Ausübung von Gewalt bis hin zur Folter kann er die Beute um ein Vielfaches erhöhen. Sobald dieser Tätertyp ins Haus gelangt, besteht absolute Lebensgefahr.
Es gibt noch einen weiteren Verbrechertyp, welcher eine Home Invasion begeht. Es handelt sich um den Vergewaltigungs-Einbrecher, von welchem man in den Medien so gut wie nie liest. Es handelt sich um eines der allerschwersten Verbrechen überhaupt, da das Leben des Opfers garantiert für immer vollständig zerstört ist.
Auch hier bin ich der Meinung, man sollte diese extremen Taten nicht verheimlichen, sondern darüber berichten. Nur so können Frauen ausreichend sensibilisiert werden. Die allermeisten Frauen haben keinerlei Ahnung, dass es diese Taten überhaupt gibt.
Herr Bübl, aus eigener Erfahrung weiß ich leider, wie sich ein Einbruch anfühlt. Ich wurde vor vielen Jahren selbst Opfer. Viel schlimmer als der Verlust von Wertsachen war für mich der Gedanke, dass ein Fremder in einen höchst persönlichen Bereich eingedrungen war. Das hat mich lange beschäftigt und Spuren hinterlassen. Warum wird über diese psychische Seite eines Einbruchs so wenig gesprochen, und was hilft Betroffenen Ihrer Erfahrung nach dabei, das eigene Zuhause wieder als sicheren Ort zu empfinden?
Das ist bedauerlich und es tut mir leid für Sie. Vielleicht wird über dieses entstandene Trauma so wenig geredet, weil die Krankenkassen die psychologische Betreuung übernehmen müssten. Das ist jedoch nur eine Vermutung von mir. Ich kenne persönlich nur ganz wenige Leute, denen ein Einbruch nicht nahe gegangen ist, alle anderen haben jahrelang bis jahrzehntelang täglich ein Problem beim Betreten der Wohnung. Der einzig verlässliche Weg dieses furchtbare Erlebnis hinter sich zu lassen, ist ein Umzug. Ist nicht einfach, aber nur so kann man es endgültig verarbeiten und vergessen.
Was sollten die beteiligten Stellen nach einem Einbruch anders machen? Betroffene bekommen meist ein Aktenzeichen und Hinweise zur technischen Nachrüstung. Wer kümmert sich aber um das zerstörte Sicherheitsgefühl?
Um das seelische Wohl des Opfers kümmert sich niemand. Ein Einbruch ist wie alles auf der Welt nur ein ökonomischer Faktor. Alle beteiligten Personen profitieren von dieser Tat, außer Täter und Opfer. Vom Polizisten über Schlosshersteller (Milliarden verkaufte Schlösser in Deutschland), Versicherungen, Monteure, Richter, Anwälte, Justizbeamte bis hin zum Bewährungshelfer und noch viele andere (sogar der Erzeuger vom Pulver für Fingerabdrücke lebt davon!).
Geschätzte 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland erzeugt das Produkt Einbruchskriminalität, das ist schon ein ziemlich mächtiger Wirtschaftszweig.
Ich kenne Opfer, die weigerten sich eine Anzeige zu machen, da ihnen der Sinn hinter einer Anzeige nicht klar ist. „Alle ziehen einen Gewinn daraus, nur ich als Opfer habe einen Verlust!“
Gab es in Ihrer beruflichen Laufbahn einen Einsatz, der Ihre Sicht auf Einbrecher oder auf deren Opfer grundlegend verändert hat? Ich meine dabei nicht unbedingt den spektakulärsten Fall, sondern den, der Ihnen menschlich bis heute nachgeht.
Jeder Einsatz hat mich geprägt. Einbruch ist und bleibt ein Verbrechen und Einbrecher sind und bleiben Verbrecher! Da gibt es nichts zu beschönigen oder entschuldigen. Einem anderen etwas zu stehlen, darf man niemals als harmlos oder als gegeben hinnehmen. Schlimm war ein Fall, bei dem der Täter Rattengift in die Lebensmittel des Opfers beigemengt hat (Zucker und Mehl), wahrscheinlich aus Zorn über die kleine Beute. Dies hat mir vor Augen geführt, welch kriminelle Energie entwickelt werden kann.
Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stärker verändert, die Technik der Täter oder die Menge an Informationen, die potenzielle Opfer freiwillig über soziale Netzwerke und andere digitale Kanäle preisgeben?
Bis auf wenige Ausnahmen im Hightech-Bereich hat sich die Technik der Einbrecher wenig verändert. Hauptsächlich werden immer noch Fenster einschlagen oder einfach die Türe aufgebrochen. Alles andere sind echte Einzelfälle. Etwas verändert hat sich jedoch die Informationsbeschaffung. Durch die sozialen Medien ist es einfacher geworden, die Gewohnheiten der Opfer auszuspionieren. Manche Täter planen auch die Fluchtwege mittels Google. Das hat es natürlich früher nicht gegeben. Verändert hat sich das Verhalten der Opfer, wie Sie sagen, durch und auf den soz. Medien. Dort wird vieles preisgegeben, damit es viele Leute sehen. Die Opfer wundern sich aber, wenn es vom Falschen gesehen wird. Muss ja nicht immer ein Bild vom Urlaub auf den Seychellen sein (kommt eh nicht so oft vor), es genügt ja ein Posting: „Heute um 19 h ist es wieder so weit, Stammtisch!“ Damit sagt man alles, was der Täter wissen muss.
Elektronische Schließsysteme und Smart-Home-Lösungen gelten vielen Menschen automatisch als moderner und damit sicherer. Entstehen dadurch neue Schwachstellen, die der Käufer gar nicht wahrnimmt, weil er Sicherheit inzwischen mit Komfort verwechselt?
Grundsätzlich muss gesagt werden, dass auch bei elektronischen Schlössern ein physisches Hindernis den Zutritt verhindert, sprich ein Riegel.
Elektronik ist nur bequemer, aber keinesfalls sicherer. Man denke nur an die erste Generation der elektronischen Autoschlüssel. Nach einem kurzen Knick stieg die Anzahl der gestohlenen Fahrzeuge rasant. Man weiß nie, ob es „Hintertüren“ , einen Bug gibt und wo die Schwachstellen bei elektronischen Schlössern liegen. Meiner Erfahrung ist Mechanik die sicherste Technik. Man sieht es bei Banken. Viele Versicherungen übernehmen die Police für einen schweren Geldschrank nur, wenn auch ein mechanisches Schloss vorhanden ist (soweit ich weiß).
Wir bei Multipick arbeiten täglich mit professionellen Öffnungswerkzeugen. Werkzeuge sind zunächst neutral, ihre Verwendung ist es nicht. Welche Verantwortung trägt unsere Branche, damit Fachwissen zugänglich bleibt, ohne den möglichen Missbrauch kleinzureden?
Man kann diese Verantwortung ruhigen Gewissens abgeben. Gäbe es keine Aufsperrwerkzeuge, dann würden Einbrecher eine Spitzhacke oder Schraubendreher nehmen (was sie ohnehin tun). Es ist ähnlich wie mit Waffen. Der Mann tötet, nicht die Waffe! Gäbe es keine Pistolen, dann nehmen die Mörder einen Holzprügel. Man kann mit Verboten nicht jedes Verbrechen verhindern.
Als Sie mit „Geheimwissen Schlüsseldienst“ detailliertes Öffnungswissen veröffentlichten, gab es deutliche Kritik und sogar Forderungen nach einer Zensur des Buches. Haben sich diese Kritiker aus Ihrer heutigen Sicht grundsätzlich geirrt, oder gab es Einwände, die Sie inzwischen ernster nehmen als damals?
Sämtliche Kritiker haben geirrt, denn die Welt ist sicherer geworden durch mein Buch. Geheimwissen Schlüsseldienst hat zur Sicherheit beigetragen, denn nach Veröffentlichung gab es einen enormen Schub beim Verkauf von Schlössern und anderen Sicherheitsartikeln. Viele Kollegen haben sich bei mir bedankt über den steigenden Umsatz. Wissen und Know-how machen ja keinen Täter aus einem Menschen. Sonst würde es ja Millionen Mörder oder Bankräuber geben – da weiß jeder wie das geht und macht trotzdem fast niemand.
Mit ‚Polizei Schlüsseldienst‘ haben Sie Anfang 2026 außerdem ein kompaktes Praxisbuch veröffentlicht, das ursprünglich für Polizeibeamte gedacht war. Wie gut sind Einsatzkräfte Ihrer Erfahrung nach heute auf eine rechtmäßige Türöffnung vorbereitet, bei der möglichst wenig Schaden entstehen soll, und wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?
Es liegt im Eifer und Ermessen des Beamten, sich selbst weiterzubilden. Eine Ausbildung gibt es meines Wissens nicht, ausgenommen Spezialeinheiten. Diese Beamten halten aber wenig von schonender Aufsperrtechnik... Viele Polizisten waren aber sehr glücklich mit mir zusammenarbeiten zu können. Ich habe ihnen viele Basics beigebracht, welche man im Polizistenalltag nutzen kann. Aus dem Eintreten der Tür wurde Aufschnappen mit dem Draht. Polizisten sollten die grundsätzlichsten Öffnungsmethoden erlernen, aber auch, dass sie dem Schlüsseldienst nicht die Arbeit wegnehmen dürfen. Eine angemessene Schulung in Öffnungstechnik für Polizisten wäre wünschenswert und vorteilhaft.
Zum Schluss ganz konkret: Welchen einen Punkt sollte jeder Leser heute Abend an seiner eigenen Wohnung überprüfen, und welchen verbreiteten Sicherheitsmythos würden Sie am liebsten endgültig aus den Köpfen streichen?
Den einen Punkt gibt es nicht. Das wäre zu einfach.
Man soll sich niemals in absoluter Sicherheit glauben, denn ein Mythos ist garantiert falsch: „Bei mir ist nichts zu holen.“
Tipp des Schlossermeisters (Immer daran denken): Wer nichts hat, für den ist wenig viel!
Handbuch der Einbrecher
In seinem neuen Buch beschäftigt sich Michael Bübl mit Methoden, Vorgehensweisen und Hintergründen der Einbruchskriminalität und nähert sich dem Thema bewusst aus Sicht der Täter.
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